Wie ist Prognos vorgegangen?

So wurde die ZDF Deutschland-Studie erhoben

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24.000 Datenpunkte, 53 Indikatoren und mehr als ein Jahr Arbeitszeit: Prognos hat in einem intensiven Forschungsprozess die bisher umfassendste Deutschland-Studie mit Ranking aller 401 Kreise und Städte für das ZDF erstellt.

Wie sind die Prognos-Experten vorgegangen?

Als das ZDF mit seinem Wunsch nach einem Ranking aller 401 deutschen Regionen auf die Forscher der Prognos AG zukam, haben sich diese die Frage gestellt: Anhand welcher Kriterien können die Lebensumstände in Deutschlands Regionen glaubhaft und objektiv miteinander verglichen werden?
Um zu einer Auswahl zu kommen, haben die Prognos-Experten umfassend recherchiert. Als Grundlage nahmen sie die Grundbedürfnisse des Menschen: Gesundheit, Wohnen, Versorgung, Arbeit, Sicherheit, Freizeit und Erholung.

Die Herausforderung: Nur Statistiken, die für alle 401 Kreise und Städte vorlagen, konnten ausgewertet werden. Zudem mussten diese einigen Qualitätskriterien entsprechen, mussten zum Beispiel aus wissenschaftlich arbeitenden, glaubwürdigen Quellen stammen. Subjektive Einflüsse – etwa Stimmungen oder Meinungen – sollten ausgeklammert werden, um zu einem objektiven Bild über die äußerlichen Rahmenbedingungen für ein gutes Leben zu kommen.

Als Zwischenergebnis ergab sich eine lange Liste von über 100 möglichen Indikatoren. In einem intensiven Auswahlprozess wurden nur die Indikatoren ausgewählt, die den Anforderungen am besten entsprachen. So waren einige Indikatoren nicht flächendeckend für alle 401 Kreise und kreisfreien Städte verfügbar.
Dazu zählten beispielsweise viele Statistiken zum Thema Bildung (wie erteilte Unterrichtsstunden je Schüler), auch einige Gesundheitsindikatoren (wie Zahlen zu schweren Erkrankungen) waren nicht flächendeckend auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte zu bekommen. Andere Daten wiederum waren nicht aktuell genug, da sie einen Zeitpunkt messen, der mehrere Jahre zurück liegt (beispielsweise die Depressionsdiagnosen, zuletzt aus dem Jahr 2011, die zudem nicht auf der Kreisebene vorliegen).

Die ausgewählten Indikatoren

Im Ergebnis erfüllten 53 sozioökonomische Indikatoren die Anforderungen und wurden für die Bewertung der Regionen ausgewertet. Stichtag („Datenschluss“) war der 1. Januar 2018.

Die 53 Indikatoren wurden dann sortiert in drei gleichberechtigt nebeneinanderstehende Themenbereiche: „Arbeit &Wohnen“, „Gesundheit & Sicherheit“ und „Freizeit & Natur“.

Die drei Themenbereiche zur Abbildung des Lebensumfeldes (Quelle: ZDF/Prognos)

 

Gemessen werden so unterschiedliche Aspekte wie Arbeitsstunden, Einkommen, Arbeitslosigkeit, Vermögen oder Betreuungsmöglichkeiten. Auch Aspekte, die in Beziehung zu den Themen Bildung und Gesundheit stehen, spielen eine Rolle: Etwa die Anzahl der Schülerinnen und Schüler je Lehrkraft, die Luftqualität oder Raucherquoten. Hinzu kommen lokale und regionale Faktoren zur Attraktivität von Räumen. Hierzu zählen Aspekte wie Wohnsituation, Sicherheit, Mobilität/Erreichbarkeit, Infrastruktur (technisch, sozial, kulturell, freizeitorientiert) und die umgebende Landschaft – aber auch das Engagement der Bevölkerung oder politisch-demokratische Partizipation.

Woher kommen die Daten?

Die Daten stammen aus zahlreichen offiziellen Quellen – etwa dem Ärzte-Register, der Kriminalstatistik, aus Statistiken des Bundes und der Länder, des Stifterverbands der deutschen Wirtschaft, der Bundesagentur für Arbeit und des Umweltbundesamts.   

 

Erstmals flächendeckend erhobene Daten

Einige der Daten liegen als aktuelle, flächendeckende Daten für alle 401 Kreise in der ZDF Deutschland-Studie erstmals so vor. Dazu gehören:

  • Feinstaub-Jahresmittelwerte
  • Ozonbelastung
  • Stickstoffdioxid-Jahresmittelwerte
  • Verhältnis der Abfälle pro Haushalt zu ihren Konsumausgaben
  • Sonnenstunden pro Jahr
  • Vereine je 1.000 Einwohner
  • Anzahl klassischer Kulturveranstaltungen mit eigenem Ensemble und institutioneller Förderung
  • Besucher klassischer Kulturveranstaltungen mit eigenem Ensemble und institutioneller Förderung

Weitere Indikatoren wurden für die Deutschland-Studie exklusiv von Prognos gebildet oder mit hohem Aufwand zusammengetragen und gewichtet. In der Regel handelt es sich um nur für den Zweck der Deutschland-Studie in Auftrag gegebene bzw. durchgeführte, zum Teil kostenpflichtige Sonderauswertungen von öffentlichen oder öffentlich zugänglichen Statistiken.

Gibt es vergleichbare Studien?

Die Deutschland-Studie reiht sich in eine lange Tradition ein – und liefert gleichzeitig Neues: Bereits seit den 1970er-Jahren gibt es zahlreiche Studien, die sich mit dem Versuch der „Messung“ von Lebensqualität auseinandersetzen und der Frage nachgehen, was bestimmte Städte und Regionen attraktiver als andere macht.

Häufig bewegen sich diese jedoch auf internationaler Ebene oder vergleichen nur Metropolen, sodass es kaum Material zum Vergleich messbarer Rahmenbedingungen innerhalb Deutschlands gab. Andere Arbeiten basieren auf umfassenden Befragungen und Dialogprozessen (Ansatz zur subjektiven Bewertung von Lebensqualität). Ein Beispiel hierfür ist der Glücksatlas oder der Bericht der Bundesregierung zur Lebensqualität in Deutschland (2016) unter Beteiligung von knapp 16.000 Bürgerinnen und Bürgern in Foren und Diskussionsrunden. Eine Studie, die die äußeren Lebensumstände der Menschen in allen 401 Regionen rein auf Basis objektiver Daten und Fakten bewertet (also ohne Meinungen und Stimmungen), gab es bisher nicht. Diese zu messen und bundesweit auf Kreisebene vergleichbar zu machen, war Ziel der ZDF Deutschland-Studie.

Sowohl das Grundgesetz als auch der aktuelle Koalitionsvertrag fordern die „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland“. Doch um die Lebensverhältnisse in Deutschland vergleichen zu können, braucht man Messlatten, an denen man sich orientieren kann. Die Deutschlandstudie versucht, so eine Messlatte zu bieten. Sie ist dabei nicht schlechter oder besser als andere gut gemachte Untersuchungen, bei denen ein anderes Studiendesign gewählt wurde.

Deutschlandweites Ranking auf der ZDF-Webseite

Alle Ergebnisse und Teilergebnisse auf der ZDF-Webseite

Deutschland-Studie: Die Trends

Das Punkteverfahren

Interview mit den Studienmachern

Hintergrund-Papier zum Download